Ilhéus + Itacaré – Vom Kakao zum Surfen

 

Eben sind wir in Ilhéus angekommen. Es ist sehr warm schwül und der Hafen stinkt nach alten Socken.
Trotzdem verlassen wir schnell das Schiff um uns im kleinen lokalen Hafen umzuschauen. Die Gangway runter befinden wir uns direkt gegenüber einer großen Lagerhalle die von uralten LKWs angeliefert wird auf denen sich tausende großer Säcke befinden.
Diese Anlieferungen machen uns neugierig. Einige Arbeiter winken uns zu, und wir nutzen natürlich die Chance einen von ihnen zu fragen was sich in dieser Lagerhalle befindet. Die Brasilianer sprechen hier ausschließlich Portugiesisch. Spanisch oder Englisch scheinen sie noch auf keiner Schule gelernt zu haben. So ist die Verständigung immer schwierig. Doch in diesem Fall wird schnell klar um welche Waren es sich in dieser Lagerhalle handelt, es ist Kakao. Der freundliche Hafenarbeiter bitte uns über die Absperrung hinweg herein und wir können den Kakao aus den Säcken fallen sehen. Einige frische Kakaobohnen gibt er in unsere Hände, wir knacken sie und probieren den noch bitter schmeckenden Kakao- Rohstoff.
Die Zeit vergeht schnell und es wird Zeit sich auf dem Weg zu machen, zu unserem heutigen Abenteuer. Wir wollen surfen gehen, ja wirklich, Wellenreiten. Wir fahren über eine Stunde lang zu einem kleinen Dorf, das Itacaré heißt. Es ist malerisch nahe dem Ozean gelegen. Das ist genau diese Sorte lokaler Örtchen die wir lieben! Keine Touristen, keine Souvenirshops, keine Fast-Food-Restaurants! Wir halten mitten in Itacaré vor der lokalen Surfschule „easydrop„, die in den 90er Jahren von einem Deutschen gegründet wurde und nun von Brasilianer betrieben wird. Drei sonnengegerbte Brasilianer, alle um die 30 Jahre alt, empfangen uns mit breitem Lächeln. Nach kurzem Handshake und der typisch brasilianischen Umarmung führen sie uns zu den Surfboards. Einige Erklärungen später sitzen wir mit ihnen und den Surfboards in einem Van auf dem Weg zu einem abgelegenen Strand.
Plötzlich biegt der Fahrer in einen für uns kaum erkennbaren Weg ab der steil hinunter durch den brasilianischen Dschungel zum Strand führen muss?!
Nach einigen Metern halten wir, werden aufgefordert auszusteigen und uns eröffnet sich der atemberaubende Blick auf einen der schönsten Strände Brasiliens. Hier sollen wir surfen?! Es ist unbeschreiblich welches Glücksgefühl und welche Aufregung jetzt von uns Besitz ergreift!
Noch ein gutes Stück geht es holprig durch dichten Urwald hinunter bis zum Strand. Dort angekommen sind wir alleine an einem wunderschönen endlos langen Sandstrand.
Fast 2 Stunden lernen und üben wir nun auf dem Trockenen die Technik des Surfens. Ach so geht das, denken wir gerade noch und schon müssen wir das erste Mal mit unseren Brettern in die schnell aufeinander folgenden Wellen. Der Atlantik ist hier unglaubliche 28° warm!
Die Surfguides begleiten uns und zeigen uns die richtige Welle und den richtigen Moment, um das Brett in die Welle zu drehen, uns darauf zu werfen, zwei, drei, mal zu paddeln und in den eben erlernten 3 Steps aufzuspringen. Unser Gleichgewicht zu finden und einige Sekunden auf dem Brett stehen zu bleiben. Und weißt Du was? Wir schaffen es!!! Zwischen vielen Fehlversuchen sind immer wieder Erfolgserlebnisse zu verzeichnen! Ich stehe tatsächlich ab und zu für, na sagen wir mal 3 Sekunden, bis es mich vom Brett in die Wellen haut! Katja hält es sogar einige Male bis zu 5, 6 Sekunden in fast perfekter Surfpose auf dem Brett!!!
Ich liebe mein Mädchen!!!
Nach gut einer Stunde hartem Kampf gegen die wirklich kräftigen Wellen des atlantischen Ozeans, geben unsere untrainierten Muskeln auf und wir überlassen den Brasilianern unsere Bretter, die uns jetzt sogar im Kopfstand zeigen wie lächerlich einfach es für sie ist auch die größten und stärksten Wellen ab zu surfen. Danach zeigen sie uns eine versteckte „Urwalddusche“ unter der wir uns alle das Salzwasser abwaschen. Junio, einer unserer Surfguides, pflückt noch schnell einige Kokosnüsse die er in 3 Schlägen gegen einen großen Felsen öffnet. Ganz ohne Machete oder ein anderes Hilfsmittel. Herrlich an diesem wunderschönen Strand frische Kokosmilch unter der Regenwalddusche zu trinken, wir sind im Paradies!
Auf der Rückfahrt erfahren wir, dass über der Surfschule 2 Zimmer zu mieten sind. In der offenen Küche kann man sich selbst verpflegen und täglich mit Junio und den anderen Jungs das Surfen perfektionieren. Wir beschließen hierhin zurück zukommen, es gefällt uns sehr, der Ort, die Surfer, das Local Life, einfach Alles! Itacaré ist wahrscheinlich völlig unbekannt, aber für uns schon jetzt ein nahezu perfekter Ort hier einmal für einige Wochen etwas unserer Lebenszeit zu verbringen!
Und dann werden wir auch noch von der ganzen Surferfamilie zu einem typisch brasilianischen Essen und hausgemachten Caipirinha eingeladen (es sind wirklich die Besten die wir in Brasilien getrunken haben!). Für uns wurde das typische Gericht der Bahia Region gekocht: „Bobo di Camarao“, Garnelen in Kokosmilch, die durch verwenden der Dende Frucht eine tolle gelbe Farbe erhält, dazu wird Reis gereicht und gerösteter Maniok! Das erste Mal in unserem Leben probieren wir Maniok, unglaublich! Es ist der Wahnsinn, alles schmeckt so gut und die Menschen sind sooooo nett zu uns. Wir fühlen uns gar nicht mehr so weit weg von zu Hause, so fern unserer Heimat, es ist sooooo schön! Nicht lange nach dem, hier so nahe dem Äquator, viel zu frühen Einbruch der Dunkelheit müssen wir unsere neuen Freunde verlassen. Schnell kippen wir unsere Coronas runter. Dann verabschieden wir uns herzlich umarmend und versprechen uns irgendwann einmal wieder zu sehen…
Überglücklich und völlig erschöpft fallen wir in unsere Betten und träumen noch lange von diesem unbeschreiblich, erlebnisreichen und emotionalen Tag. Wir sind soooooo dankbar!