Elefanten-Wellness

Früh sind wir auf, beeilen uns beim Frühstück das heute aus Spiegeleiern, Toast und Früchten besteht. Die Früchte hier in Asien sind kein Vergleich zu den in Deutschland angebotenen. Sie übertreffen unsere in Geschmack, Farbe und Frische in jeder Hinsicht, eine sinnliche Explosion.
Pünktlich um 10 Uhr werden wir mit einem Pickup abgeholt. Man bittet uns auf der offenen Pritsche Platz zu nehmen.
Eine wilde Fahrt, bei der wir uns gut festhalten müssen, führt uns zu einer kleinen Lichtung.
Hier treffen wir auf einen Mahut mit seiner 34 jährige Elefantendame namens Wassenaar.
Umwerfend jetzt direkt vor einem wilden Elefantenmädchen zu stehen. Ihre Größe, ihre Masse, die Bewegungen, ihr Atem, alles ist ganz nah zu spüren. Die Haut ist grob und rau, aber doch sehr empfindsam und warm. Die Augen tief schwarz und mit langen harten Wimpern. Sie schauen mich an und bauen eine Verbindung auf. Irgendetwas durchdringt mich. Die Distanz schwindet und es gelingt mir mich Ihr Emotional zu nähern. „Making Friends“ ruft der Mahout.
Wir legen erste Bambusstücke in das Spitze Maul, immer tiefer hinein, bis wir die übergroßen Backenzähne spüren und erschrocken unsere Hände blitzschnell wieder heraus ziehen. Mit speichelnassen Fingern, und irgendwie ganz selbstverständlich gehen wir nun mit Wassenaar los in Richtung des umliegenden dichten Dschungels.
Wir steuern ein großes Schlammloch an. Wassenaar schlittert und rutscht hinunter. Wir ziehen unsere T-Shirts aus und folgen ihr barfuß, nur in Bikini und Badehose in diese undurchsichtige hüfttiefe Brühe. Sie lässt sich in diese Badewanne fallen und wir beginnen, mit den Händen unsichtbar tastend, groben Schlamm zu baggern und damit die Elefantenhaut einzureiben.
Dieses riesige Wesen genießt die Massage wie ein Kind, uns schmerzen nach kurzer Zeit die Handinnenseiten. Sie scheinen sich an der schroffen Haut aufzureiben. Wir stecken knietief im Lehm fest und als Wassenaar ohne Vorwarnung das Schlammbad beendet, sich vor uns erhebt, scheint sie auszurutschen und uns mit ihren fast vier Tonnen Gewicht zu erdrücken. Das Glück ist auf unsere Seite. Wassenaar findet wieder Halt und steigt mit faszinierendem Geschick und unendlicher Ruhe hoch auf den festen Urwaldboden. Etwas ungelenker, ächzend, entkommen auch wir diesem uns hineinsaugen wollenden Loch.

Dieses Urtier schlendert nun mit uns ein ganzes Stück weiter bis wir an einen Flusslauf gelangen, der hier offenbar nur zur jetzt anstehenden Reinigung unserer Elefantendame da zu sein scheint. Was bleibt uns, wir folgen ihr in den langsam fließenden trüben Wasserlauf. Diesmal stehen wir sogar bis zur Brust in einem Urwaldfluss, der uns auf Grund seiner Beschaffenheit für die ersten Sekunden, Wasserschlangen, giftige Amphibien und riesige Fische vermuten lässt. Wassenaar ist zwischen uns fast ganz untergetaucht. Nur der Kopf und der Rüssel ragen heraus. Genüsslich erwartet sie von ihren Dienern, das sie beginnen den lehmverkrusteten Elefantenrücken mit den ja schon beanspruchten Händen sauber zu schrubben. Ab und zu hebt sie den Rüssel hoch über uns aus dem Wasser und verpasst uns eine Dusche. Ein herrliches Gefühl in dieser tropischen Mittagshitze.

Manchmal stolpern wir drei mit und gegen einander, scheinen uns zeitweise über uns kaputt zu lachen, vergessen jede Gefahr und lassen jegliche Distanz zwischen Mensch und Tier hinter uns. Ja, wir sind Freunde geworden!

Eine halbe Stunde später machen wir uns auf den Rückweg zu der kleinen Lichtung an der dieses wundervolle Erlebnis begann.

Noch einmal legen wir Bambusstücke in das Maul unserer neuen Freundin. Streicheln sie und legen unsere Köpfe gegen ihren.
Dann müssen wir Abschied nehmen.
Zurück im Baumhaus genießen wir eine kurze Dusche im offenen Badezimmer sieben Meter über dem Urwaldboden. Rings um uns herum leuchtet undurchsichtiges nasses dunkles grün. Die Baumriesen sind fest mit Lianen umschlungen. Kleine Echsen, Schmetterlinge und

Schnecken sind zum Greifen nah. Wir waschen uns den Dschungel ab und uns wird erst jetzt klar, was wir heute erleben durften.

Beeindruckend, überwältigend, wunderschön, bezaubernd unsere Gefühle sind nicht wirklich in Worte zu fassen. Wir brauchen einige Zeit um wieder zu uns zu kommen. Waren wir die letzten Stunden überhaupt im hier und jetzt? Doch, diese animalische Begegnung ist wirklich passiert! Kurz zucken wir zusammen, fallen uns dann aber überglücklich, völlig schwerelos, in die Arme.

Schön, dass wir Leben, in dieser atemberaubenden, faszinierenden Welt!